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Ataxie bei Pferden

Ataxie bei Pferden – Wenn Nerven, die für die Bewegung zuständig sind, durch Stürze oder schwere Infektionen geschädigt werden spricht man von Ataxie. Pferde, welche unter Ataxie leiden, sind wackelig auf den Beinen und stürzen oft.

Unter Ataxie versteht man keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern es handelt sich um einen Sammelbegriff, welcher eine gestörte oder sogar nicht vorhandene Koordination für Bewegungsabläufe bezeichnet.

Es gibt drei verschiedene Formen der Ataxie:

  • die spinale Ataxie
  • die zerebrale Ataxie
  • die zerebellare Ataxie

Bei der spinalen Ataxie bei Pferden liegt die Ursache für die Bewegungsstörungen des Pferdes in der Halswirbelsäule. Sie ist die am häufigsten vorkommende Form der Ataxie bei Pferden.

Die zerebrale Ataxie bei Pferden hat ihren Ursprung im Mittel-, Zwischen- und Großhirn, die zerebellare hingegen im Kleinhirn. Immer sind die Bereiche betroffenen, die für die koordinativen Bewegungsabläufe zuständig sind.

Die Folgen von Ataxien bei Pferden

Pferde, welcher unter starker Ataxie leiden, sind schwer bis unreitbar, da sie sich selber kaum ausbalancieren können, geschweige denn zusätzlich einen Reiter auf ihrem Rücken. Durch die unkoordinierten Bewegungen bringen sich die Pferde selber in Gefahr und auch ihre Umwelt. Vielen Ataxie-Pferden kann man deshalb nicht mehr helfen; sie müssen erlöst und eingeschläfert werden.

Symptome für Ataxie bei Pferden

Die Symptome für Ataxie bei Pferden sind je nach Form der Ataxie unterschiedlich. Diese Symptome kommen bei allen Ataxieformen vor:

  • Pferd bewegt sich entweder eilig oder wie in Zeitlupe
  • Torkeln und/oder Schwanken
  • Häufiges Stolpern und/oder sogar Stürzen
  • Probleme vor allem in der Hinterhand
  • Zittern des Kopfes
  • Pferd gerät direkt aus der Balance, wenn der Hals zur Seite genommen wird
  • Verfehlen des Futtertrogs, bei Fohlen Verfehlen des Euters der Mutter
  • Übermäßiges Anwinkeln der Hinterbeine, kreisförmiges nach vorne führen der Hintergliedmaße
  • Weites nach vorne setzen der Vorderbeine, sehr breites Aufsetzen der Vorderbeine
  • Ruckartiges Anheben der Beine
  • Umknicken und Wegbrechen der Hinterhand in Wendungen
  • Gefahr des Überschlagens beim Rückwärtstreten

In diesem Video kann man sehen, wie sich ein Pferd mit spinaler Ataxie bewegt:

Bei der spinalen Ataxie kommt es außerdem häufig zur Druckempfindlichkeit des Halses und Genicks.

Ursachen für Ataxie bei Pferden

Ataxie bei Pferden entsteht durch geschädigte Nervenstränge. Diese Schädigungen entstehen durch Quetschungen des Hals- oder Rückenmarks in den Wirbeln, in denen die Nervenstränge verlaufen. Manche Pferde werden aber schon als Fohlen mit einem zu engen Halswirbelkanal geboren. Ist dies der Fall spricht man vom sogenannten Wobbler-Syndrom. Diese Verengungen des Halswirbelkanals befinden sich fast immer zwischen dem 3. und 4., 4. und 5. oder 5. und 6. Halswirbel auf. Warum dies so ist, ist noch unklar. Bewiesen ist allerdings, dass das Wobbler-Syndrom vererbbar ist.

Bei Pferden, die nicht mit einem zu engen Kanal der Halswirbel geboren werden und die Schädigung der Nervenenden erst später auftritt, wird eine spinale Ataxie häufig durch eine Erkrankung der Weichteile hervorgerufen. Hierbei führt zu weiches Gewebe der Gelenkkapseln, Knorpel, Bänder und Bandscheiben zu einer Verdickung, welche dann das Mark des Halses quetscht. Aber auch lockere Gelenke der Wirbel können das zwischen ihnen verlaufende Mark und somit auch den Nerv schädigen. Die Auslöser liegen oft in einer falschen Fütterung in der Aufzuchtphase. Gerade Sportpferde sollen schon im jungen Alter viel leisten und bekommen ein sehr energie- und eiweißreiches Futter. Dadurch wachsen sie so schnell, dass die Weichteile des Pferdekörpers sich nicht schnell genug mit anpassen können.

Ataxie bei älteren Pferden

Bei älteren Pferden entsteht Ataxie meist durch Arthrose in den Halswirbelgelenken. Diese muss nicht immer auf das Alter zurückzuführen sein, sondern kann ihren Ursprung auch in Brüchen oder Rissen der Halswiebel haben. Auslöser hierfür können Stürze beim Toben und Rennen mit Artgenossen oder beim Springreiten sein. Besondere Gefahr einer Verletzung der Halswirbelsäule ist gegeben, wenn sich das Pferd bei einem Sturz zusätzlich überschlägt. Trotzdem kann auch eine leichte Verrenkung der Halswirbelsäule zu einer Quetschung der Halsnerven führen. Aber auch ein Festlegen in der Box kann eine Schädigung der Halswirbelsäule des Pferdes nach sich ziehen.

Die anderen beiden Formen der Ataxie, der zerebralen und zerebellaren , welche vom Gehirn ausgehen, werden meist von schweren Verletzungen am Kopf des Pferdes ausgelöst. Aber vor allem auch virale Infektionen wie beispielsweise Herpes können eine Nervenschädigung im Gehirn auslösen. Manchmal sind zudem Bakterien, die das zentrale Nervensystem befallen, Schuld an einer Ataxie. Hierzu zählt beispielsweise das Borreliose-Erreger-Bakterium Borrelia burgdorferi, welches Gehirn und Rückenmark befällt. Auch Larven bestimmter Parasiten können eine Ataxie verursachen, indem diese durch das Rückenmark bis ins Gehirn wandern und sich dort einnisten. Seltener entstehen Ataxien durch Vergiftungen, ausgelöst durch giftige Pflanzen, welche das Pferd frisst wie zum Beispiel Eibe oder Buchsbaum.

Der Verlauf einer Ataxie beim Pferd

Der Verlauf von Ataxien ist je nach Ursache und Art unterschiedlich. Meist beginnen sie so minimal, dass sie im Anfangsstadium gar nicht direkt bemerkbar machen. Liegt der Ursprung in einer Verletzung der Halswirbelsäule, also handelt es sich um eine spinale Ataxie, zeigen sich die Symptome meist mit einer plötzlichen Koordinationsstörung der Beine. Ist der Ausgangspunkt der Nervenschädigung eine Quetschung im Halswirbelkanal, werden Störungen um Bewegungsablauf oft erst nach Monaten sichtbar.

Sind jedoch die ersten Symptome einer Ataxie klar erkennbar, verschlechtert sich der Zustand meist schnell.

Ist die Ataxie durch eine Nervenschädigung im Gehirn ausgelöst, also bei einer zerebralen oder zerebellaren Ataxie, machen sich die ersten Symptome durch ein Einknicken der Vorderbeine bemerkbar. Im späteren Verlauf setzt dann ein Zittern des Kopf und Halses ein. Ist die Ataxie weit fortgeschritten kommt es zu häufigen Stürzen und kann sogar zu einem rückwärts Überschlagen kommen. Im Endstadium legen sich die Pferde meist fest und sterben.

Besonders für Ataxie gefährdete Pferde

Im Grunde kann jedes Pferd, jeder Rasse, jeder Größe und jeden Alters von einer Ataxie betroffen sein. Bei angeborenen Nervenschädigungen im Bereich der Halswirbelsäule (Wobbler-Syndrom) sind Hengste häufiger betroffen als Stuten. Warum dies so ist, ist allerdings nicht abschließend geklärt. Genauso wie, dass Ataxien häufiger bei Arabern, Vollblütern und Oldenburgern auftreten als bei anderen Rassen, was eine Statistik zutage gebracht hat.

Wie diagnostiziert man Ataxie beim Pferd?

Ob es sich tatsächlich um eine Form der Ataxie handelt kann man nur in einer klinischen Untersuchung feststellen. Erste Hinweise auf eine Ataxie können ein Rückwärtsrichten des Pferdes oder der Test des Hautreflexes sein. Beim Rückwärtstreten hat das Pferd vermehrt Probleme, kommt ins Schwanken und es besteht die Gefahr des Überschlagens. Beim Testen des Hautreflexes streicht der Tierarzt mit einem Kugelschreiber oder ähnlichen Gegenstand über die Haut. Ein Pferd mit Ataxie zuckt im Gegensatz zu einem nicht betroffenen Pferd nicht oder erst mit einer kurzen Verzögerung.

Mit einem Röntgenbild oder einer Computertomografie (CT) kann man herausfinden, wo genau und wie stark das Rückenmark betroffen ist. Bei der sogenannten Myelographie spritzt der Tierarzt ein Kontrastmittel in den Rückenmarkskanal, wodurch beim Röntgen krankhafte Veränderungen sichtbar werden. Anhand der Stärke der Schädigung kann man dann schon eine Diagnose auf eine Heilung stellen.

Die Therapie bei Ataxie beim Pferd

Oft hört man, dass Ataxie nicht heilbar ist und das betroffene Pferd schnell erlöst werden sollte. Hier sollte man jedoch nicht vorschnell urteilen. Denn eine Ataxie verläuft bei jedem Pferd individuell und wird von unterschiedlichsten Symptome begleitet. Bei spinalen Ataxien, deren Ursprung in der Halswirbelsäule liegt, ist meist nur eine Linderung möglich.

Bei Ataxien, die durch Erkrankungen der Weichteile ausgelöst wurden, können entzündungshemmende und abschwellend wirkende Medikamente Linderung verschaffen und den Druck auf die betroffenen Nerven im Halswirbelkanal verringern.

Bei Ataxien, welche ihren Ursprung in knöchernen Veränderungen haben kann hingegen nur eine Operation helfen, welche das krankhaft veränderte Wirbelgelenk versteift und somit den Druck auf den hindurchlaufenden Nerv vermindert.

Bei Ataxien, die ihren Ursprung im Gehirn des Pferdes haben, muss erst geklärt werden, wodurch die Schädigung hervorgerufen wurde. Liegt eine Infektion durch Bakterien oder Viren vor, muss diese behandelt und auskuriert werden. Gelingt dies, hat das Pferd die Chance wieder ganz gesund zu werden.

Bei der spinalen Ataxie (Ursprung in der Halswirbelsäule) ist hingegen meist nur eine leichte Linderung und keine komplette Genesung möglich.

Aber auch wenn die Nerven sich wieder regenerieren braucht es meist ein bis anderthalb Jahre, bis ein Pferd, was unter einer Ataxie litt, wieder reitbar ist. Wichtig ist bis dahin ein regelmäßiges Bewegungs- und Koordinationstraining. Zusätzlich werden muskelaufbauende Präparate und Vitamin E und Selen zugefüttert.

Eine zusätzliche Hydrotherapie, also das Bewegen in einem Wassertank, kann eine Mobilisierung positiv unterstützen. Experten vermuten, dass durch das extreme Anziehen der Beine im Wasser und das Aufwölben des Rückens die Bandscheiben entlastet und eingeklemmte Nerven somit befreit werden können.

Als alternative Heilmethoden bei Ataxien bei Pferden kommen Akupunktur und Homöopathie zum Einsatz.

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