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Das Islandpferd

Das Islandpferd, umgangssprachlich Isländer genannt, ist eine, wie der Name schon verrät, aus Island stammende Pferderasse. Isländer sind sehr robust und die raue Natur und niedrige Temperaturen gewohnt. Sie gehören zu den Gangpferden, da sie neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp noch über zwei genetisch fixierte, zusätzliche Gangarten verfügen: Tölt und Pass. Nur rein gezogene Pferde ohne Einkreuzung anderer Rassen werden als Islandpferd anerkannt. Die Abstammung muss bis nach Island zurückzuverfolgen sein.

Das Islandpferd lebte über Jahrhunderte in freier Wildbahn auf Island und wird als vielseitig einsetzbares und vor allem robustes Pferd sehr geschätzt. Das Islandpferd kann aufgrund seines kräftigen Körperbaus auch von nicht zu schweren Erwachsenen geritten werden.

Das Aussehen

Es gibt im Typ der Islandpferde Unterschiede zwischen älteren und neuer gezüchteten Islandpferden. Während die älteren Pferde noch stark im Ponytyp standen ist das derzeitige Zuchtziel eher ein elegantes, gut bemuskeltes um Reitpferdetyp stehendes Islandpferd. Der Kopf ist ausdrucksstark und schön getragen. Mähne und Schweif sind voll und üppig. Dieses Zuchtziel ist allerdings umstritten.

Vertreten sind bei den Isländern alle Fellfarben. Neben den von anderen Rassen sehr bekannten Fellfarben wie Füchse, Rappen, Braune und Schimmel gibt es auch besondere Farben wie Falben, Isabellen, Erdfarbene und unbekanntere wie Smoky Black, Roans und Silver Dapple. Roans sind Farbwechsler und eher seltener vertreten. Auch Schecken sind vertreten. Tobiano-Schecken sind am häufigsten anzutreffen, Splashed-WhiteSchecken sind eher selten. Tigerschecken gibt es unter den Islandpferden nicht.

Isländer sind robust und jedem Wetter gewachsen, da sie aus ihrer Heimat gewohnt sind das ganze Jahre draußen zu verbringen. Deshalb entwickeln sie auch ein besonders dickes und dichtes Winterfell.

Islandpferde sind im Gegensatz zu anderen Pferderassen erst mit ca. sieben Jahren als ausgewachsen anzusehen. Deshalb sollten sie frühestens mit späten vier oder frühen fünf Jahren angeritten werden. Isländer sind aber oft bis ins hohe Alter, also weit über ihr 25. Lebensjahr hinaus, reitbar.

Der Charakter

Das Islandpferd ist genügsam und leicht zu händeln, was es auch für Kinder zum idealen Reitpartner macht. Es zeichnet sich durch einen guten und ausgeglichen Charakter aus und zeigt einen gut ausgeprägten Vorwärtsdrang. Außerdem ist das Islandpferd zäh und unabhängig, trotzdem aber sozial in der Herde.

Das Einsatzgebiet

Islandpferde sieht man eher selten in Sparten des Reitsports wie Springen und der Dressur. Sie starten eher in Disziplinen, welche extra für sie da sind, wie beispielsweise auf der Islandpferde-WM, wo sie ihre Spezialgangarten wie Pass und Tölt zeigen können.  Sportturniere für Isländer unterscheiden sich komplett von bekannten Reitturnieren für Warmblüter. Die Isländer können ihre besonderen Gänge auf einer sogenannten Pass- oder Ovalbahn zeigen. Zusätzlich gibt es Gangprüfungen für jeweils nur eine der Gangarten Tölt oder Rennpass und spezielle Passrennen. Für Islandpferde-Reiter, welche eher freizeitmäßig reiten, wurden die Hestadagar-Wettbewerbe ins Leben gerufen.

Die Islandpferde sind die einzige Pferderasse, für die eine eigene Weltmeisterschaft ausgerichtet wird. Diese fand 2012 das erste mal im Gangpferdezentrum in Aegidienberg (bei Bonn) statt.

Natürlich eignen sie sich die Islandpferde aber auch als treue Freizeitpartner. Vor allem für gemütliche Ausritte sind sie bestens geeignet.

Die Zuchtgeschichte

Vor dem Importverbot vor 1909 wurden vor allem Wallache anderer Rassen, wie beispielsweise Norweger als Arbeitspferde nach Island importiert. Das heutige Islandpferd entstand aus der damals in Island vorhandenen Population aus nordischen und mitteleuropäischen Pferde- und Ponyrassen. In historischen Texten ist die Rede davon, dass auch einzelne Vollblüter ihr Blut mit vererbten. Dies ist allerdings nicht belegt.

Bis in die 20er Jahre wurden die Islandpferde vor allem als Fortbewegungsmittel und Lasttiere verwendet, da es kaum feste Straßen in Island gab. Das Islandpferd hatte also schon damals eine große Bedeutung für die Bewohner Islands. In der Hauptstadt Reykjavik haben die Isländer dem Islandpferd sogar ein Denkmal gesetzt. Die Zucht ebbte nach dem Ausbau des Straßennetzes erst mal ab und wurde erst nach Ende der 40er-Jahre wiedergeboren. Das Zuchtziel war nun ein robustes Freizeitpferd. In den 50er und 60er-Jahren gab es einen regelrechten Export-Boom. Vor allem Deutschland zeigte reges Interesse an dem Islandpferd als Freizeitpferd. Erst Jahre später entwickelte sich die Zucht zu dem heute bekannten Gangpferd, was auch eine steigende Preisentwicklung mit sich brachte.

Die Landwirte auf Island züchten bis heute größtenteils Schafe und Pferde. Diese grasen im Sommer unbeaufsichtigt im Hochland und werden im Herbst wieder zurückgetrieben. Nicht nur die Schafe, sondern auch die Pferde dienen noch heute eher der Fleischgewinnung. Nur etwas mehr als ein Drittel der gezüchteten Pferde werden für die Zucht oder im Reitsport eingesetzt. Gerade im südlichen Teil von Island, wo es sehr grün ist, züchtet man hauptsächlich zum Schlachten. In anderen Regionen hat man sich auf die Zucht von Reitpferden spezialisiert. Gerade im Norden Islands ist der Reitsport geschätzter. Dort wird bei der Zucht auch sehr hart selektiert. Man möchte schmalere und elegantere Islandpferde züchten.

Die Zuchtgeschichte in Deutschland begann vergleichsweise spät. In den 1950er Jahren wurde das Islandpony noch nicht in Deutschland gezüchtet, sondern nur direkt aus Island importiert. Durch die Fernsehserie „Ferien auf Immenhof“ von Autorin Urlsula Bruns wurde die Rasse aber auch hierzulande sehr schnell bekannt und schaffte ihren Durchbruch, wodurch man auch in Deutschland mit der Zucht des Islandpferdes begann.

Anna Trappe ist hier als bekannteste Züchterin zu nennen. Sie begann bereits in den 70er Jahren auf ihren Gestüt im Münsterland mit der Zucht von Islandpferden. Als sie ihren ersten Deckhengst erstand, war sie gerade mal 15 Jahre alt. Am Anfang wurde sie dafür eher belächelt. Zu dieser Zeit war die Islandpferdeszene sehr klein und überschaubar und jeder kannte jeden. Gerade die Anfänge waren nicht einfach. Oft musste sich Anna Trappe anhören, sie solle ihre paar Ponys verkaufen und sich auf „richtige Pferde“ spezialisieren. Doch gerade diese harte Kritik hat sie motiviert und ihr Kraft gegeben, an ihrem Vorhaben Islandpferde zu züchten festzuhalten.

Und dieser starke Wille und ihre innere Überzeugung haben sich heute bezahlt gemacht. Auf ihrem Gestüt im Münsterland, das Gestüt Brock, hält Anna Trappe mittlerweile 60 eigene Pferde und zudem noch 100 Pensionspferde. Heute sind Islandpferde in Deutschland gefragt wie nie. Jeder kennt diese besondere Rasse mit den fünf Gängen. 2014 fand schon zum 10. Mal eine eigene Meisterschaft für die Islandpferde statt. So eine Meisterschaft gibt es für keine andere Pferde- oder Ponyrasse.

Laut einer Statistik der internationalen Vereinigung der nationalen Islandpferdeverbände aus dem Jahr 2010 gibt es weltweit einen Bestand von etwa 300.000 Islandpferden. Heute ist Deutschland das zweitgrößte Zucht- und Exportland für Islandpferde. Über 65.000 Islandpferde sind in Deutschland zu Hause. An erster Stelle steht aber immer noch das Herkunftsland Island mit einem Bestand von ca. 75.000 Pferden. Man vermutet aber, dass Deutschland in den nächsten Jahren an erste Stelle rücken wird und dann sogar das Herkunftsland der Isländer einholt.

Dies liegt vor allem am Rückgang des Islandpferdebestands in Island. Ein ausschlaggebender Grund dafür ist ein strenges Importverbot für Islandpferde. Dieses besteht schon seit 1909 und soll dazu beitragen, keine Krankheiten in die großen Islandpferde-Herden zu bringen. Doch es dürfen nicht nur keine neuen Islandpferde einreisen. Auch alle Isländer, welche die Insel ein mal verlassen haben, dürfen nicht zurück. Deshalb können die Islandpferde, mit denen das isländische Nationaltea an der Islandpferde-Weltmeisterschaft in Deutschland teilnehmen danach dort bleiben und ihren Besitzer wechseln.

Aufzucht und Haltung

Damit die Fohlen auf der Weide zur Welt kommen können beginnt man in Deutschland im Juni mit der Deckzeit. Die Tragzeit dauert in der Regel 11 Monate. Ein paar Tage bevor die Stuten gedeckt werden stellt man die zukünftigen Stutenherden zusammen um spätere Rangordnungskämpfe in der Deckzeit zu vermeiden. Der Deckhengst wird dann in die Stutenherde integriert, um eine natürliche Deckung zu gewährleisten. Er bleibt dann sechs Wochen im Herdenverband der Stuten. Durchschnittlich sind nach dieser Zeit 90% der Stuten tragend. Ein Hengst kann in zwei mal sechs Wochen bis zu 30 Stuten decken. Künstliche Befruchtung wird bei Islandpferden in Deutschland eigentlich nicht angewandt.

In Island überlässt man die Herden meist ganz sich selber. Die frisch geborenen Fohlen lässt man den Sommer über in der Herde mitlaufen. Anfang Dezember trennt man die Fohlen dann von ihren Müttern um sie mit gleichaltrigen Fohlen zusammen aufzuziehen. Nach dem ersten Winter trennt man Stutfohlen und Hengstfohlen. In Island werden die Junghengste meist zwischen ihrem ersten und dritten Lebensjahr kastriert, falls sie nicht als Deckhengste eingesetzt werden sollen.

In Island leben die kleinen Pferde in Robusthaltung, das heißt, dass sie ihr Leben ganzjährig im Freien auf den Weiden im Herdenverband verbringen. Im Winter ist es üblich, dass man die Islandpferde, die regelmäßig geritten werden in Stallnähe in befestigten Ausläufen unterbringt.

Der Tölt

Der Tölt ist, genau wie die Gangart Schritt, ein Viertakt. Die Fußfolge ist die gleiche: Wenn das linke Hinterbein zuerst auffußt, folgt danach das linke Vorderbein, dann setzt das rechte Hinterbein auf dem Boden auf, gefolgt vom rechten Vorderbein. Der Tölt ist im Gegensatz zu den Gangarten Trab und Galopp eine gelaufene Gangart ohne Schwebephase.

Durch die fehlenden Schwebe- und Sprungphasen kann der Reiter beim Tölten nahezu ohne Schwung und Erschütterung sitzen. Das trägt dazu bei, dass diese Gangart besonders schonend für Rücken und Gesäß ist. Je nach Veranlagung und Ausbildungsstand des jeweiligen Islandpferdes kann der Tölt in der Geschwindigkeit, die der von Schritt gleichkommt bis zu Galoppgeschwindigkeit geritten wird. Der Tölt wird in dieser schnellen Geschwindigkeit dann Renntölt genannt. Da die Gangart Tölt für den Reiter sehr angenehm ist, war diese Veranlagung der Islandpferde wesentlich zu dessen Beliebtheit und Verbreitung beteiligt.

Der Rennpass

Der Rennpass ist sozusagen die „Königsdisziplin“ unter den Gangarten der Islandpferde. Dabei werden Geschwindigkeiten bis zu 45 km/h erreicht. Der Weltrekord im Rennpass liegt aktuell bei 7,18 Sekunden über 100 Meter. Im Vergleich: Der aktuelle Weltrekord bei den Sprintern liegt aktuell bei 9,58 Sekunden. Das schnellste Rennpferd der Welt wurde 69,6 km/h schnell, was zeigt, dass ein relativ kleines Islandpferd im Pass wirklich eine enorme Geschwindigkeit erreichen kann.

Der Rennpass ist ein Zweitakt, welcher sich in vier Phasen aufteilt. Es findet abwechselnd ein Abfußen der jeweils beiden gegenüberliegenden Hufpaare statt. Dazwischen befindet sich jeweils eine Schwebephase. Der Rennpass in Vollendung ist sehr kraftvoll und spannend dabei zuzuschauen.

Um ein Islandpferd im Rennpass zu reiten, bzw. überhaupt erst mal in den Rennpass zu bringen braucht es einen erfahrenen Reiter, der genau weiß, was er tut.

Nicht jedes Islandpferd ist automatisch für den Rennpass begabt. Neben der angeborenen Veranlagung braucht es dafür zusätzlich eine gute Kondition, einen starken Vorwärtsdrang und einen erfahrenen Reiter, der dem Pferd zeigen kann, was von ihm erwartet wird. Die meisten Islandpferde zeigen nur einen langsamen Pass ohne die wichtige Schwebephase. So können sie keine hohen Geschwindigkeiten erreichen.

Weiterführende Informationen

Bücher

Islandpferde: halten, pflegen, reiten (Die Reitschule)
von Jutta Plötz
Müller-Rüschlikon- Verlag, ISBN: 3275020528

Das Islandpferd
von Anke Schwörer-Haag
Franckh-Kosmos-Verlag, ISBN: 3440133478

Islandpferde: besser reiten und richtig ausbilden
von Anke Schwörer-Haag
Franckh-Kosmos-Verlag, ISBN: 3440124568

Dressur für Gangpferde: Von der Dehnungshaltung zum Traumtölt
von Kirsti Ludwig
Cadmos-Verlag, ISBN: 3840410479

Links

International Federation of Icelandic Horse Associations
Deutscher Islandpferde-Reiter- und Züchterverband
Österreichischer Islandpferdeverband
Islandpferdevereinigung Schweiz

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