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Equine Cushing Syndrom (ECS) beim Pferd

Was ist Cushing beim Pferd?

Cushing, oder auch ausgeschrieben das Equine Cushing Syndrom (ECS) ist eine Hormonsörung beim Pferd. Manchmal wird die Krankheit auch als Pituitary pars intermedia dysfunction (PPID) oder Hypophysenadenom (Pars intermedia) bezeichnet

Es sind überwiegend Pferde betroffen, die älter als 15 Jahre alt sind. Teilweise erkranken aber auch deutlich jüngere Pferde. Beim Cushing handelt es sich um eine chronische und somit fortschreitende Krankheit. Sie kann nicht geheilt, aber zumindest so Behandelt werden, dass eine Linderung für das betroffene Pferd eintritt.
Findet keine Behandlung statt, folgen aus dem ECS häufig weitere Erkrankungen. Deshalb sollte ein vom Equine Cushing Syndrom betroffenes Pferd auf jeden Fall einer Behandlung unterzogen werden.

Man vermutet dass ein viertel aller Pferde über 15 Jahren in Deutschland unter Cushing leiden.

Symptome bei Cushing

Doch wie macht sich die Krankheit bemerkbar? Folgende Merkmale können auf eine Cushing-Erkrankung hinweisen:

  • Fellwechsel-Störungen (Hirsutismus)
  • Hufrehe
  • Abbau von Muskeln (Muskelschwund)
  • Unregelmäßige Fettverteilung
  • Entzündungen der Hufe, Zähne und auch Hautinfektionen
  • Schlechte Wundheilung
  • Starkes Schwitzen trotz nur geringer Belastung
  • Apathie (Teilnahmslosigkeit)
  • Immunschwäche
  • Übermäßiges Trinken und Urinieren
  • Knochenprobleme
  • Weidebauch

Gerade die Hufrehe steht im starken Zusammenhang mit dem ECS. In diesem Video erklärt Dr. Stefan Hofmeister die genauen Zusammenhänge:

 

Die Ursachen für Cushing

Verantwortlich für den Ausbruch der Krankheit ist eine Erkrankung der Hirnanhangdrüse im Gehirn des betroffenen Pferdes. Diese ist für den Hormonhaushalt im Organismus des Pferdes zuständig. Arbeitet die Hirnanhangdrüse nicht korrekt, ist der Hormonhaushalt im Pferd nicht richtig ausbalanciert, wodurch die verschiedenen Symptome des Equine Cushing Syndroms ausbrechen. Man kann also sagen, dass das Cushingsyndrom eine Entgleisung des Stoffwechsels des Pferdes ist. Der mittlere Teil der Hirnanhangdrüse ist unter anderem an der Ausschüttung des Hormons ACHT verantwortlich, welches wiederum an der Produktion von Cortisol beteiligt ist. ACHT wird also produziert, aber nicht in den erforderlichen Mengen. Dadurch wird vermehrt körpereigenes Cortison / Cortisol ausgeschüttet, wodurch die Cortisolkonzentration im Blut des Pferdes ansteigt. Somit ist das hormonelle Gleichgewicht gestört. Da Cortisol ein Stresshormon ist, erhöht sich der Blutzucker, das Pferd baut Fett ab, ist Müde, hat einen hohen Flüssigkeitsbedarf und die Gefahr an Hufrehe zu erkranken steigt an.

Behandlung bei Cushing mit Pergolid

Am Cushing Syndrom erkrankte Pferde sollten unbedingt behandelt werden, da die Krankheit die Lebensqualität der betroffenen Pferde stark einschränkt. Außerdem vergrößern die auftretenden Begleiterkrankungen das Leid.
Wie schon erwähnt ist Cushing nicht komplett heilbar; durch Behandlung und regelmäßige Überwachung durch den Tierarzt kann das betroffene Pferd aber regelrecht symptomfrei leben.
Zur Behandlung wird von Tierärzten hauptsächlich das Medikament Pergolid eingesetzt. Permax und Parkotil enthalten den selben Wirkstoff Pergolidum. Er stimuliert die Dopaminrezeptoren.

Dosis

Ein Großteil der mit Pergolid behandelten Pferden sprechen bei einer Behandlung mit einer Dosis von im Durchschnitt 2 µg Pergolid pro kg Körpergewicht an. Eine Besserung des Zustandes des Cushing Syndroms ist nach circa 6 bis 12 Wochen zu erwarten. Man kann die benötigte Dosis allerdings nicht verallgemeinern.
Es wird empfohlen das Ansprechen der Therapie zu beobachten und orientiert daran die niedrigste Dosis, auf die das Pferd anspricht zu verabreichen. Es gibt allerdings auch Pferde, bei denen bis zu 10 µg Pergolid/kg Körpergewicht benötigt werden, damit eine Reaktion des Organismus auf das Medikament stattfindet. Deshalb ist es wichtig, das betroffene und sich in Behandlung befindliche Pferd in vier- bis sechswöchigem Abstand zu kontrollieren und die Pergolid-Dosis gegebenenfalls anzupassen.

Stabilisiert sich der Zustand des betroffenen Pferdes ist eine Kontrolle alle 6 Monate zu empfehlen.
Das Medikament wird dem Cushing-Pferd in Form von Tabletten verabreicht. Pergolid ist recht gut verträglich. Ab und zu können aber Nebenwirkungen auftreten. Diese können sein:

  • Apathie (Wesensveränderung)
  • Koliken

Das nicht so weit verbreitete, bei Cushing eingesetzte Medikament, ist Trilostan. Es setzt bei der Behandlung der Nebennierenüberfunktion an. Der enthaltene Wirkstoff nennt sich Trilostanum und hemmt die Hormonproduktion in der Nebenniere.
Eine Studie, bei der 20 Pferde im Alter von 15 bis 30 Jahre teilnahmen, kann man hier nachlesen.

Haltung und Pflege bei Cushing

Die Genesung eines Cushing-Pferdes muss man mit einem konsequenten Gesundheits-Managements unterstützen, was aus folgenden Punkten besteht:

  • Regelmäßige Hufpflege und –bearbeitung
  • Regelmäßige Zahnkontrolle
  • Regelmäßige Entwurmung
  • Pferd bei Bedarf scheren
  • dem Grad der Erkrankung angepasste Bewegung
  • trockene Einstreu, gute Stallhygiene

Die regelmäßige Hufbearbeitung ist wichtig zur Vorbeugung von Rehe. Eine zusätzliche regelmäßige Zahnkontrolle stellt sicher, dass das Pferd ordentlich fressen und Verdauen kann und somit genug Energie zu sich nimmt um wieder an Gewicht und Muskeln zuzulegen. Gerade bei Pferden, bei denen starker Hirsutismus, also Fellprobleme, auftreten kann ein Scheren des Fells hilfreich sein. Dadurch kann sich das Pferd besser Thermoregulieren und das Risiko von eventuell auftretenden Hautkrankheiten wird gemindert. Bewegt werden soll das Pferd mit Cushing an den Schweregrad der Erkrankung angepasst. Bewegung ist wichtig, da sie den Stoffwechsel anregt und Muskeln aufgebaut werden. Auch wichtig ist die Stallhygiene bei Pferden mit dem Equine Cushing Syndrom. Da sie mehr trinken und dadurch auch mehr urinieren muss eine gute Einstreu und damit eine trockene Box gewährleistet werden.

Fütterung bei Cushing

Auch bei der Fütterung eines Cushing-Pferdes gibt es einiges zu beachten. Mit der richtigen Fütterung kann man das Pferd unterstützen und ihm Linderung verschaffen. Die optimale Fütterung bei Cushing schließt die Berücksichtigung vom Stadium der Krankheit und den momentanen Ernährungszustand des Pferdes mit ein.

Folgende Dinge müssen beachtet werden:

  • An den Ernährungszustand angepasste Energie- und Proteinfütterung
  • Rohfaserreiches Futter (Kohlehydrate vermeiden, die eine hohe Insulinreaktion auslösen)
  • Sträkehaltiges Futter vermeiden
  • Unterstützend: Pflanzenöle, Bierhefe, Luzerne
  • Vitamine und Mineralstoffe

Anbei noch eine sehr umfangreiche Webinar-Aufzeichnung von Dr. Kai Kreling aus der Tierklinik Binger Wald zum Thema Cushing:

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