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Natürliche Schiefe des Pferdes geraderichten

Was ist die natürliche Schiefe beim Pferd?

Die natürliche Schiefe ist bei Phänomen, was nicht nur beim Pferd auftritt. Auch Menschen und Hund haben eine sogenannte natürliche Schiefe im Körper. Einfach erklärt bedeutet dies einfach nur, dass eine Körperhälfte stärker ausgebildet ist als die andere. Das ist auch der Grund warum es Links- und Rechtshänder gibt. Die unterschiedlich starke Ausprägung der beiden Körperhälften hängt ganz einfach damit zusammen, dass man als Fötus schon schief im Leib der Mutter heran wächst.

Bei Hunden ist deren natürliche Schiefe sehr gut erkennbar. Schaut man sich einen laufenden Hund genau von hinten an, kann man drei seiner Beine oder sogar alle vier gleichzeitig sehen, da das Vorderteil und Hinterteil nicht in einer geraden Spur sondern versetzt laufen.

Beim Pferd ist das mit dem versetzten Laufen genau so, allerdings kann man das nicht so einfach beobachten wie bei Hunden, da wir selten genau gerade hinter einem Pferd in Bewegung stehen. Stellt man sich auf einen Hocker oder eine andere Erhöhung hinter das Pferd und schaut von hinten oben auf die Rückenlinie, kann man die natürliche Schiefe recht gut erkennen.

Auswirkung der natürlichen Schiefe auf das Pferd

Die natürliche Schiefe bedeutet also für das Pferd, dass es in eine Richtung leicht gebogen ist. Die kürzere Seite ist die, in die das Pferd gebogen ist. Diese nennt man hohle Seite. Doch was für Auswirkungen hat diese Schiefe nun für das Pferd? Das Pferd muss seine natürliche Schiefe ausgleichen, indem es mit dem Hinterbein auf der hohlen Seite weiter nach vorne tritt. Gleichzeitig muss es das gegenüberliegende Vorderbein auf der nicht hohlen Seite vermehrt belasten.

An sich würde die natürliche Schiefe für das Pferd kein Problem darstellen. Kommt allerdings ein Reiter ins Spiel sieht die Sache wieder ganz anders aus. Denn das Pferd muss dann auch noch das Reitergewicht zusätzlich zu seiner natürlichen Schiefe ausgleichen. Dadurch werden die mehrbelasteten Knochen, Muskeln, Sehen und Bändern noch starker belastet und sind einer starken Spannung und Verschleiß ausgesetzt. Dadurch können Verspannungen und Schmerzen entstehen. Um das Risiko dafür zu vermindern, sollte man als Reiter das Ziel haben sein Pferd effektiv gerade zu richten.

Herausfinden welche Seite des Pferdes hohl ist

Um mit dem passenden Training der natürlichen Schiefe des Pferden entgegenzuwirken muss man erst einmal herausfinden, welches die hohle Seite ist.

Anzeichen der hohlen Seite beim Reiten sind:

  • auf der hohlen Seite liegt das Reiterbein besser am Pferd
  • auf der hohlen Seite nimmt das Pferd den Zügel nicht so gut an
  • auf der Hand der hohlen Seite funktionieren Biegungen besser

Gerade das letzte Anzeichen, also das Reiten eines Zirkels oder einer Volte, hilft besonders gut, die hohle Seite herauszufinden. Ist man auf der Hand der hohlen Seite biegt sich das Pferd gut in die Wendung, der Hals ist schön mitgebogen und das Pferd läuft die Wendung so wie vom Reiter vorgegeben oder versucht den Zirkel oder die Volte zu vergrößern. Ist man auf der gegenüberliegenden Hand der hohlen Seite merkt man, dass das Pferd sich nicht so recht biegen möchte, den Hals steif macht und versucht den Zirkel oder die Volte zu verkleinern. Das liegt daran, dass das Pferd durch seine natürliche Schiefe auf die innere Schulter fällt.

MERKE: Die hohle Seite ist verkürzt und das Pferd muss diese in einer Biegung gegen die hohle Seite dehnen, was anstrengend ist.

Nochmal zusammengefasst:

Volte oder Zirkel auf der Hand der hohlen Seite:

  • Pferd biegt sich bereitwillig
  • Pferd schaut in der Wendung nach innen
  • Pferd läuft auf der vorgegebenen Spur oder vergrößert den Zirkel / die Volte

Volte oder Zirkel auf der Hand der nicht hohlen Seite:

  • Pferd macht sich steif
  • Pferd schaut in der Wendung eher nach außen
  • Pferd verkleinert den Zirkel / die Volte

Anzeichen der hohlen Seite beim Longieren sind:

  • das Hereinfallen der Schulter auf der gegenüberliegenden Hand der hohlen Seite
  • das Drehen des Kopfes nach außen auf der gegenüberliegenden Hand der hohlen Seite
  • ein steifer Hals auf der gegenüberliegenden Hand der hohlen Seite
  • ein nach innen drängen auf der gegenüberliegenden Hand der hohlen Seite

In diesem Artikel gibt es tolle Beispielbilder, welche die natürliche Schiefe des Pferdes an der Longe zeigen.

Übungen um der natürlichen Schiefe entgegenzuwirken

Um der natürlichen Schiefe des Pferdes entgegenzuwirken und es gerade zu richten kann man leider nicht einfach einen Osteopathen holen, der das Pferd wieder gerade „zieht“. Wirkungsvoll sind hingegen gymnastizierende Übungen, welche der natürlichen Schiefe auf Dauer entgegenwirken können. Dies ist allerdings ein langer Weg und geht nicht von heute auf morgen.

TIPP! Am Besten baut man die folgenden Übungen ins tägliche Training mit ein. Jeden Tag eine Übung nützt mehr als ein mal die Woche viele Übungen.

Übungen vom Sattel gegen die natürliche Schiefe

Übung 1: Schulterherein

Schulterherein kann man als ein seitwärtiges Versammeln bezeichnen. Dabei soll die Hinterhand des Pferdes mehr Last aufnehmen.

So wird die Übung geritten: Die Hinterhand des Pferdes bleibt in der Spur, die Vorhand läuft so nach links oder rechts versetzt , dass das gegenüberliegende Vorderbein in der Spur des gegenüberliegenden Hinterbeins tritt. Man kann sich vorstellen, dass man in eine Volte herein reitet, dem Pferd auch die entsprechende Hilfe gibt, dann dem Pferd aber im letzten Moment bevor es abwendet zu verstehen gibt, dass man doch geradeaus weiterreiten möchte.

In diesem Video wird die Übung sehr gut erklärt:

Die Übung sollte vorrangig auf der gegenüberliegenden Hand der hohlen Seite ausgeführt werden um die natürliche Schiefe auszugleichen und die zu kurze Seite zu dehnen.

WICHTIG! Man sollte zwischen den Übungen immer wieder eine Pause einbauen. Die Übungen sind sehr anstrengend für das Pferd. Überfordert man es, kann es zu Verspannungen kommen, welche eher kontraproduktiv sind.

Übung 2: Volten

Auch eine schöne Übung ist es, immer wieder Volten in die Richtung gegenüberliegend der hohlen Seite einzubauen. Am Anfang sollte man den Durchmesser der Volten nicht zu klein wählen, sondern größer anfangen und dann den Voltendurchmesser an den Trainingszustand des Pferdes anpassen. Wichtig beim Reiten der Volten ist es sich schön in der Biegung mitzudrehen, ausbalanciert zu sitzen und das Pferd gut mit den Schenkeln zu begrenzen, damit es nicht nach innen drängt.

Übung 3: Zirkel verkleinern und vergrößern

Vorgegangen wird hier wie bei Übung 2. Allerdings wird keine Volte, sondern ein Zirkel geritten, der dann auf der gebogenen Linie verkleinert und dann wieder vergrößert wird. Vorteil dieser Übung ist es, dass die Dehnungsintensität sich langsam steigert und dann wieder entspannt. Diese Balance zwischen Anspannung und Entspannung stimuliert die Muskeln besonders effektiv.

ACHTUNG: Die Übungen zum Geraderichten sollte man langsam aber stetig ausführen. Man muss aufpassen nicht zu viel vom Pferd zu verlangen. Eine Überforderung des Pferdes kann zu Überbelastung und Gelenksblockaden führen, da sich die Muskulatur langsam angleichen muss.

Übungen vom Boden gegen die natürliche Schiefe

Alle vorher genannten Übungen können auch vom Boden aus ausgeführt werden. Am Strick oder Langzügel.

Übung 1: Longieren im Roundpen

Das Pferd in einem Roundpen auf der gegenüberliegenden Hand der hohlen longieren ist praktisch, da das Pferd außen schön durch die Roundpenumrandung begrenzt wird.

Übung 2: Longieren mit Doppellonge

Die schwache Seite mit der Doppellonge zu schulen und dehnen bietet sich an, da man das Pferd mit der Doppellonge schön in die Biegung holen und gleichzeitig außen begrenzen kann.

ACHTUNG! Die Doppellonge sollte nur von erfahrenen Personen genutzt werden, da die Arbeit an der Doppellonge nicht ganz ungefährlich ist. Die Doppellonge gehört nicht in unerfahrene Hände.

Übung 3: Hals und Seite dehnen

Für diese Übung braucht man Leckerchen oder am besten mehrere Möhren. Man hält die Möhre dann seitlich an den Bauch des Pferdes, ungefähr dort, wo der Schenkel anliegt und lässt das Pferd sich dann vorsichtig und langsam zur Seite dehnen. Wichtig ist, dass das Pferd dabei gerade stehen bleibt und nur den Kopf zur Seite neigt um an die Möhre zu kommen.

Diese Übungen und weitere Dehnübungen gibt es in einem tollen PDF-Dokument von Wege-Zum-Pferd zusammengefasst. (PFD 3,0 MB).

Geraderichten notwendig zur Gesunderhaltung des Pferdes

Das Geraderichten des Pferdes um die natürliche Schiefe auszurichten ist ein elementarer Teil bei der Ausbildung eines Pferdes. Es ist nötig, um das Pferd auf Dauer gesund zu erhalten und Überbelastungen von Knochen, Muskeln, Sehen und Bändern zu vermeiden.

Es liegt also sozusagen in der Pflicht des Reiters an der Geraderichtung zu arbeiten.

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