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Der Vollblutaraber

Der Vollblutaraber zählt zu den edelsten Pferderassen auf der Welt. Durch sein Äußeres übt er eine ganz besondere Wirkung auf den Menschen aus. Seine dunklen, großen und tiefen Augen scheinen eine Geschichte zu erzählen. Der Vollblutaraber hat Feuer und ist in der Wüste auf der arabischen Halbinsel zu Hause. Dort wird er von den Bewohnern verehrt und gefeiert.

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Das Aussehen

Der Vollblutaraber hat einen kleinen, zierlichen Kopf mit breiter Stirn und großen, ziemlich tief angesetzten und weit herausstehenden Augen. Die großen Nüstern weiten sich enorm, wenn das Pferd aufgeregt ist. Das Nasenbein ist leicht gebogen, was als „Araberknick“ bezeichnet wird und den Kopf noch feiner und edler wirken lässt.

Der Schweif ist hoch angesetzt und wird oft auch sehr hoch getragen. Vom Format ist der Araber eher rechteckig mit kurzem Rücken und langen Beinen.

Vom Knochenbau weist der Araber einige Besonderheiten im Vergleich zu allen anderen Pferderassen auf. Er hat meist nur 17 anstatt 18 Rippen, 5 statt 6 Lendenwirbel und 15 statt 16-18 Schweifwirbel.
Von den Fellfarben gibt es beim Vollblutaraber meist Schimmel aber auch Füchse, Braune und Rappen. Schecken zwar werden toleriert, kommen aber verhältnismäßig selten vor.

Das Stockmaß liegt beim Vollblutaraber zwischen 1,40m und 1,56m. Trotz seiner im Vergleich zu anderen Pferderassen geringen Größe wird der Vollblutaraber zu den Pferde- und nicht zu den Ponyrassen gezählt.

Bildergalerie Vollblutaraber

Der Charakter

Der Vollblutaraber ist sensibel und lebhaft, zugleich aber menschenbezogen und robust. Das macht ihn zu einer der bekanntesten und beliebtesten Pferderassen auf der Welt. Sie sind sportlich und ausdauernd, weshalb sie vor allem im Distanzsport zu Hause sind. In der arabischen Welt fungieren die edlen Pferde als Statussymbol.

Das Einsatzgebiet

Früher wurde der agile Wüstenbewohner vor allem bei Rennen, bei der Jagd und auch im Krieg eingesetzt. Für die Beduinen, die keinen festen Wohnsitz hatten, sondern als Nomaden durch die Wüste reisten, war der Araber überlebenswichtig.

Kritiker werden den Arabischen Vollblütern oft vor, dass sie aufgrund ihrer Nervosität nicht zum Reiten auf Turnieren geeignet wären, trotzdem sind immer mehr von ihnen auch auf Spring- und Dressurturnieren zu sehen. Auch als Fahrpferde sind sie mitunter zu beobachten.

Heutzutage bereichert das arabische Vollblut vor allem Showveranstaltungen. Auf dem Landgestüt Marbach findet ein mal im Jahr eine große Hengstparade statt. Dazu gehört auch die große Vollblutarabershow. Dort ziehen die edlen Pferde die Zuschauer jedes Jahr von neuem in ihren Bann.

Durch ihre enorme Ausdauer sind die schlanken Pferde aber hauptsächlich im Distanzsport unterwegs, sozusagen ein Marathon für Pferd und Reiter. Dort legen sie Strecken von bis zu 160 km zurück. In seiner Heimat werden diese Ritte schon immer abgehalten, in Deutschland werden Distanzritte auch immer beliebter.

In ihrer Heimat werden mit den Pferden außerdem auch Araberrennen veranstaltet.

Die Geschichte des Arabers

Das arabische Pferd befindet sich seit über 5000 Jahren in menschlicher Hand und lebt mit dem Menschen zusammen. Alles begann mit den Nomadenvölkern auf der arabischen Halbinsel, die den Araber als Reit- und Lastentier gebrauchten. Die Pferde begleiteten die Beduinen jeden Tag über hunderte von Kilometern und es gab wenig zu essen und trinken. Trotzdem war das edle Pferd mehr als ein Arbeitstier für diese Menschen. Es wurde von den Nomaden als Familienmitglied angesehen und mit viel Liebe und Respekt behandelt. Den Wüstennomaden waren ihre Pferde so wichtig, dass sie sogar mit in den kleinen Zelten, die als Nachtlager dienten, schlafen durften. Die Zelte waren kaum größer, als dass eine kleine Familie darin Platz fand. Die Pferde lagen mit in den Zelten zwischen den Beduinen, nicht selten hatten nutzen die Nomaden den Hals der Pferde als Kopfkissen. Diese Geschichten zeigen, wie innig die Beziehung der Wüstennomaden und ihren Pferden war. Zum Reiten wurden meist die Vollblutaraberstuten genutzt, da diese bei überraschenden Angriffen von befeindeten Stämmen ruhiger blieben, als die Hengste. Außerdem konnten die weiblichen Tiere länger ohne Wasser auskommen und waren vom Sattel aus einfacher zu händeln.

Die Zuchtgeschichte

Vollblutaraber gelten als die älteste Zuchtrasse von Haustieren der Welt. Sie werden schon seit dem 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel gezüchtet. Fünf Stuten, die der Prophet Mohammed bei der Flucht nach Medina bei sich hatte gelten einer Legende nach als Stammmütter. Diese sollen auch reinrassig gewesen sein. Da der Prophet anfangs immer wieder gegen seine Gegner verlor, da diese besser beritten waren als seine eigene Kavallerie, steckte er seine ganze Kraft in die Zucht von edlen und reinrassigen arabischen Vollblütern.

Der gute Ruf dieser Pferderasse gelang erst später über Spanien, welches über Jahrhunderte von den Arabern besetzt wurde, nach Mitteleuropa. Im 19. Jahrhundert ließen sich reiche europäische Fürste arabische Pferde nach Europa holen um ihre eigene Zucht mit diesen zu veredeln. Dafür unternahmen sie teure Expeditionen nach Syrien und in die Steppengebiete der arabischen Halbinsel. Sie kauften die edlen Pferde direkt von den dort lebenden Beduinen oder von Zwischenhändlern und brachten sie auf dem Landweg oder auf dem Schiff nach Europa. Die Hengste nutzen sie, um bestehende Zuchten zu veredeln. Vollblutaraber-Stuten waren nicht so einfach zu bekommen. Die wenigen aber, welche die arabische Halbinsel verließen, nutzten die Fürsten für reine Zuchten. So konnten sie auch unabhängiger von den teuren Importen werden.

Bekanntes Beispiel für solche Reinzuchten ist das 1817 gegründete Privatgestüt von König Wilhelm I. von Württemberg. Er importierte Vollblutaraber wie Bairactar, Murana I und Tajar, welche noch heute bekannt sind. Die Nachkommen dieser Pferde sind noch heute auf dem Landgestüt Marbach zu Hause. Weitere bekannte Zuchten sind das weltweit bekannte Crabbet Park Arabian Stud in England und die Gestüte der polnischen Fürsten Sanguszko und Dzieduszycki.

Seit dem 19. Jahrhundert kam das arabische Vollblut somit der Veredelung der europäischen Rassen zugute. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges übernimmt diese Aufgabe allerdings größtenteils ein enger Verwandter des arabischen Vollblutes, das englische Vollblut. Die Vaterlinie des englischen Vollblutes setzt sich aus nur drei orientalischen Hengsten zusammen. Trotzdem kommt auch immer wieder das arabische Vollblut zum Einsatz, um Gesundheit, Ausdauer, Härte und Schönheit in die europäische Warmblutzucht zu bringen.
Doch es gab auch schwere Zeiten in der Zucht des arabischen Vollblutes. Eingeschleppte Seuchen und die Entwicklung des Automobils und Handfeuerwaffen ließen die Population Anfang des 20. Jahrhunderts auf der arabischen Halbinsel stark zurückgehen. Der reinblütige Araber drohte in seiner Heimat sogar auszusterben. Ende der 1950er-Jahre fing man an Araber ins ägyptische Staatsgestüt zu reimportieren. Die größten Populationen von reinen Arabern befinden sich deswegen heutzutage nicht in seinem Ursprungsland sondern in den USA, England, Polen, Ungarn, England und Deutschland. In den letzten Jahren haben die Herrscherfamilien der Arabischen Halbinsel den Wert des Arabers als Kulturgut wiederentdeckt. Sie importieren Vollblutaraber mit guten Genen aus aller Welt und setzen viel Zeit und Geld in dessen Erhaltung indem sie im eigenen Land wieder züchten.
Die Emire von Bahrein sind die einzigen, welche ihr Gestüt seit Jahrhunderten betreiben. Bei ihnen gibt es die seltenen Stutenstämme wie Al-Kray und Al-Jellabieh, welche aus reiner Wüstenzucht stammen und bei denen kein Blut aus reimportieren Pferden aus der westlichen Welt enthalten ist. Gerade deshalb gelten sie als wertvolle Reserve für das reine Vollblutaraber-Gen. Äußerlich kommen diese Wüstenpferde dem von den Beduinen gezüchteten Pferd am nächsten. Andere, komplett reine Wüstenvollblutaraber ,asil genannt, soll es in Syrien und Saudi-Arabien geben. Außerdem sollen auch noch vereinzelte asile Tiere bei den Tahawi-Beduinen, welche in Ägypten leben, vorkommen.

Teilweise gibt es außerdem in einigen ägyptischen Privatgestüten von reichen Paschas und Königen noch reine Zuchten. Ende des 20. Jahrhunderts erlangten diese auf der ganzen Welt ein hohes Ansehen wegen ihrer Schönheit und ihrer Seltenheit und wurden zu enormen Preisen angeboten und verkauft. Diese Nachfrage ist allerdings heute zurückgegangen.

Araberzucht in der Welt

Araber werden, je nach ihrer Herkunft, nach ägyptischen, polnischen, russischen und spanischen Arabern unterschieden. Jedes dieser Länder hat ein leicht unterschiedliches Zuchtziel, wodurch sich diese Pferde im Exterieur mehr oder weniger stark unterscheiden. Solche Unterschiede waren aber auch in der damaligen Wüstenzucht üblich. Zwischen den Zuchtgebieten werden aber immer wieder Pferde getauscht, angekauft und verkauft. Deshalb gehören alle dieser Pferde der Rasse des Vollblutarabers an.

Araberzucht in Deutschland

In Deutschland ist der „Verband der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes“ in Hannover, kurz VZAP, für die Betreuung aller arabischen Rassen zuständig. Dazu gehören neben den Vollblutarabern auch die Shagya-Araber, die Anglo, Araber, das Arabische Halbblut und die Araber. Der Verband hat rund 2000 Mitglieder und betreut ca. 1700 eingetragene Zuchtpferde. Damit ist der VZAP einer der wichtigsten Mitgliederverbände der „World Arabian Horse Organisation“, kurz WAHO. Pro Land erkennt die WAHO immer nur einen einzigen Zuchtverband für die Araber an, was für Deutschland der VZAP ist. In Deutschland gibt es außerdem noch den „Zuchtverband für Sportpferde arabischer Abstammung e.V.“ (ZSAA).

Der Einfluss des arabischen Pferdes auf die Zucht der Warmblüter

Das arabische Pferd hatte neben vielen geschlagenen Schlachten auch noch eine andere wichtige Aufgabe: Die Veredelung der Warmblutrassen in Europa. Gerade nachdem das Warmblut in Zeiten der Landwirtschaft eher kräftig gezüchtet wurde, sorgte man mit der Einkreuzung von Arabern, wieder für schlankere und edlere Pferde. Der Araber gab dem Warmblut neben dem schlankeren Aussehen auch die Ausdauer und Härte mit. Auch Totilas, dem schwarzen Hengst, der als teuerstes Dressurpferd der Welt gilt, hat Gene des Vollblutarabers.

Weiterführende Informationen

Züchter und Organisationen

Zuchtverband für Sportpferde arabischer Abstammung e.V. (ZSAA)
Verband der Züchter und Freunde des Arabischen Pferdes (VZAP)

Bücher


Bildcopyrights Bildergalerie:

Ganz lieben Dank an
Ivana Jakopovic und ihre Araber
und
Kathi Wirth von Pferdestarke Durchstarter

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